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Die Europäische Zentralbank (EZB) steht vor ihrer nächsten geldpolitischen Sitzung am 5. Juni, bei der eine weitere Zinssenkung um 25 Basispunkte erwartet wird. Nach der Reduzierung des Einlagensatzes auf 2,25% im April 2025 deuten aktuelle Marktanalysen auf eine Fortsetzung des moderaten Zinssenkungskurses hin.
Die Inflationsrate im Euroraum lag nach den jüngsten Daten im April bei 2,1% und nähert sich damit weiter dem EZB-Zielwert von 2%, was den geldpolitischen Spielraum erweitert. “Die Inflationsrate nähert sich dem Zielwert von 2%, sodass der EZB-Rat bei seiner nächsten Sitzung voraussichtlich eine weitere Zinssenkung beschließen wird”, erklären Finanzanalysten der LBBW.
Für Anleger ergeben sich daraus konkrete Implikationen: Die Zinsen für Fest- und Tagesgeld dürften weiter sinken, während die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen und private Haushalte sich graduell verbessern. Gleichzeitig könnten niedrigere Zinskosten die Bewertungen von Aktien und Immobilien stützen.
Die EZB betont weiterhin ihre datenabhängige Vorgehensweise – sollten geopolitische Spannungen oder steigende Rohstoffpreise zu einem erneuten Inflationsanstieg führen, könnte die Zinssenkungsphase verlangsamt werden.
Der Handelskonflikt zwischen den USA und der Europäischen Union hat sich in den vergangenen Wochen deutlich verschärft. US-Präsident Donald Trump hat kürzlich Zölle von 25 Prozent auf Stahl- und Aluminiumimporte aus der EU eingeführt, worauf Brüssel mit Gegenzöllen auf amerikanische Waren im Wert von 26 Milliarden Euro reagierte.
“Die EU wird handeln, um ihre wirtschaftlichen Interessen zu schützen. Wir werden unsere Arbeitnehmer, Unternehmen und Verbraucher verteidigen”, erklärte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in einer Stellungnahme. Die Europäische Kommission warnte zudem, dass diese Zölle nicht nur rechtswidrig, sondern auch wirtschaftlich schädlich seien – insbesondere angesichts der eng vernetzten globalen Lieferketten.
Besonders besorgniserregend für die europäische Exportwirtschaft ist Trumps Ankündigung, möglicherweise Importzölle von bis zu 200 Prozent auf alkoholische Getränke wie Wein und Champagner zu verhängen. Nach Angaben der Welthandelsorganisation exportierte Europa allein im Jahr 2023 Wein und Champagner im Wert von knapp 5,2 Milliarden Euro in die USA.
Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge könnte ein eskalierender Handelskrieg zwischen den USA und Europa über eine vierjährige Amtszeit Trumps einen Verlust von bis zu 180 Milliarden Euro für die deutsche Wirtschaft bedeuten.
Die deutsche Wirtschaft steht vor ernsthaften strukturellen Herausforderungen. Die führenden Forschungsinstitute haben in ihrem Frühjahrsgutachten ihre Wachstumsprognose für 2025 auf lediglich 0,1 Prozent BIP-Wachstum nach unten korrigiert – eine deutliche Reduzierung von den zuvor prognostizierten 0,8 Prozent.
Nach Einschätzung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) droht Deutschland sogar das dritte Rezessionsjahr in Folge. “Nach 2023 und 2024 steuern wir mit 2025 auf das dritte Rezessionsjahr in Folge zu – die längste Schwächephase in der deutschen Nachkriegsgeschichte”, warnt die DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov. “Das ist eine Zäsur und unterstreicht den akuten Handlungsbedarf.”
Besonders alarmierend ist die anhaltende Investitionszurückhaltung: Laut DIHK-Konjunkturumfrage planen 40 Prozent der deutschen Unternehmen, ihre Investitionen zurückzufahren, während nur 22 Prozent der Betriebe mehr investieren wollen. “Statt in Innovation und Wachstum zu investieren, konzentrieren sich viele Unternehmen lediglich auf Ersatzinvestitionen – ein klares Alarmsignal für die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts”, mahnt Melnikov.
Die konjunkturelle Schwäche wird zusätzlich durch geopolitische Unsicherheiten, steigende Handelsbarrieren und den beginnenden Zollkonflikt mit den USA verstärkt. Der ifo-Konjunkturchef Torsten Schmidt warnt: “Die geopolitischen Spannungen und die protektionistische Handelspolitik der USA verschärfen die ohnehin angespannte wirtschaftliche Lage in Deutschland.”
Nach einem massiven Einbruch der Bauinvestitionen in den vergangenen Jahren zeichnen sich im deutschen Immobilienmarkt erste Anzeichen einer Stabilisierung ab. Laut aktuellen Prognosen des ifo-Instituts hat der Wohnbausektor die Talsohle durchschritten und dürfte allmählich wieder leicht expandieren.
Die Erholung verläuft jedoch höchst uneinheitlich: Während sich der Wohnbau langsam erholt, leidet der Wirtschaftsbau weiterhin unter der Krise im Verarbeitenden Gewerbe. Der öffentliche Bau entwickelt sich hingegen weiterhin robust, gestützt durch staatliche Infrastrukturprojekte.
“Mit steigenden Realeinkommen wird die Konjunktur beim Wohnbau wieder an Fahrt gewinnen”, prognostizieren die Wirtschaftsforscher. Die sinkenden Bauzinsen – aktuell zwischen 3,4 und 4,0 Prozent je nach Laufzeit und Beleihung – unterstützen diesen Trend zusätzlich.
Experten weisen darauf hin, dass die Erholung am Immobilienmarkt noch fragil ist und stark von der weiteren Zinsentwicklung sowie der gesamtwirtschaftlichen Dynamik abhängt. Der ifo-Konjunkturexperte Andreas Peichl betont: “Der Immobilienmarkt reagiert mit Verzögerung auf konjunkturelle Entwicklungen. Die aktuelle leichte Belebung könnte durch erneute wirtschaftliche Schwierigkeiten oder geopolitische Krisen schnell wieder unterbrochen werden.”
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